Die Schägenesthexen

Die zweite Narrenfigur der Eulenzunft sind die Schägenesthexen. Sie tragen die alte Arbeitstracht der Seelbacher Bäuerinnen mit Päder, Rock und Schurz, Pumphose und Strohschuhe. Die Holzlarve soll eine schelmisch lächelnde, alte Bauersfrau darstellen.

Zu der Zeit als das Geschlecht der Geroldsecker durch den letzten Stammhalter Jakob ausstarb, wurden die Lehen Geroldseck durch kaiserlichen Erlaß dem Hause Cronberg zugesprochen und nach dem Tode des Grafen allerdings von den Fürsten von der Leyen übernommen .

Zum Bestand der Grafschaft gehörte auch das Schloß Dautenstein, welches im Tal unweit von Seelbach am Eingang des Litschentales steht. Der Grundbesitz der Grafschaft lag zwischen den Gewannen "Häldele", dem "Winter- und Rebberg", und reichte im Süden ein Stück in das Litschental hinein. Als Grenze galt der Weg zum "Omersbach" und im Litschental das "Moos". Der zwischen Winterberg und Häldele liegende Waldteil heißt "Schägenest". Die Schäge ist mundartlich ein Krähenvogel wie der Eichelhäher. Also bedeutet Schägenest: "das Nest eines Krähenvogels".

Die "Sage der Hexen vom Viehstall" berichtet nun, daß es in den Rinder- und Roßställen früher Hexen gegeben habe, die die Tiere verhexten und ihnen keine Ruhe ließen sondern sie losbanden und in den Ställen herumjagten, daß sie am anderen Morgen voll Schaum und Wasser waren. Sie nahmen den Kühen die Milch und flochten den Pferden Zöpfe in die Mähnen. Kam man aber ob des Lärms, den dies alles verursachte, in den Stall, war mit einem Schlag alles ruhig. Die Tiere waren fest angebunden und waren in tiefer Ruhe.

Da es nun im Litschental die ersten Bauernhöfe gab und das unweit davon liegende Schägenest auch als Hexenloch bekannt war, folgerte man, daß die Hexen aus dem Schägenest kamen und sich, nachdem sie in den Ställen ihr Unwesen getrieben hatten, dorthin wieder zurückzogen.

Zu ihrem Hexengewand tragen sie seitlich an der Larve einen Zopf, zur Erinnerung daß sie den Pferden diesen Zopf in die Schweife flochten. Zum Schutz vor diesen Hexen stellte man "Bildstöckle" auf, die noch heute im Litschental zu bewundern sind.